9. Oktober 2025

Ein Sommer bei RIFO

Mitten im Projektalltag in Uganda:

Unsere Projektassistentin Leni Constantini verbrachte ihren Sommer bei unserer Partnerorganisation RIFO in Kasese, Uganda. Besonders berührten sie die Frauen, die dank unseres Landwirtschaftsprojekts immer selbstbewusster werden.

Zeit mit den Menschen. Ich konnte während meines Aufenthaltes sowohl vergangene Projekte als auch das aktuelle Landwirtschaftsprojekt näher kennenlernen und hautnah miterleben, wie die Arbeit vor Ort abläuft. Vor allem die Zeit am Feld und mit den Menschen stand im Vordergrund – ganz im Sinne von RIFOs Philosophie, in unmittelbarer Nähe zu den Menschen zu wirken, um Vertrauen und Einsatzbereitschaft zu fördern. Die theoretischen sowie praktischen Trainings mit den Kleinbauern und Kleinbäuerinnen fanden direkt in deren Gärten statt und sind auf ihre individuellen Bedürfnisse angepasst. Dadurch konnte ich die Fortschritte im direkten Umfeld der Menschen beobachten und einen noch tieferen Einblick in deren Lebensrealitäten gewinnen. Es war sehr wertvoll, offen über Herausforderungen und Schwierigkeiten zu sprechen und sich gemeinsam an den Erfolgen zu erfreuen.   

Ich lernte viel über den Anbau von Obst und Gemüse, über die richtige Bewässerung und die Verarbeitung der einzelnen Lebensmittel. Besonders schön zu beobachten war, wie die Gärten der Menschen sichtbar aufblühen und im wahrsten Sinne des Wortes „Früchte tragen“.

Frau-Sein darf Wandel bedeuten. Beeindruckt hat mich, wie unsicher sich Frauen fühlen, für ihr tägliches Tun Geld anzunehmen. In der lokalen Kultur sind sie traditionell die Gebenden, nicht die Empfangenden: Alle Ernteerträge, die sie nicht direkt für die Versorgung der Familie benötigen, verschenken sie an Freunde und Nachbarn. Es erscheint ihnen fast unerhört, für ihre eigenen Mühen einen direkten Gegenwert zu erhalten. So berührend es ist, diese unbändige Herzlichkeit und Freude am Teilen zu erleben – so wichtig ist es, ein Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen zu finden und sie darin zu stärken, dass sie genauso annehmen dürfen!
Geschäftsführerin Basaliza Ithungu greift genau hier ein. Mit viel Einfühlungsvermögen, Geduld und ihrer liebevollen Art zeigt sie den Frauen, dass ihre Arbeit wertvoll ist und Anerkennung verdient. Indem sie am Ende eines Trainings den Frauen immer mal wieder etwas von ihren Ernteerträgen abkauft (nach einiger Überredungszeit), vermittelt sie nicht nur praktische Unterstützung, sondern auch Wertschätzung für deren Arbeit. Dieser Schritt löst anfangs oftmals Unsicherheit und Verwunderung bei den Frauen aus, bestärkt sie aber gleichzeitig und eröffnet ihnen ganz neue Perspektiven. Ich konnte beobachten, wie dieser behutsame, respektvolle Ansatz den Frauen eine neue, zuvor unbekannte Art der Wertschätzung entgegenbringt und zugleich ein wichtiger Schritt in Richtung Eigenständigkeit darstellt. Und außerdem – nichts schmeckt köstlicher als frisches Obst und Gemüse, das direkt von den Gärten der Projektteilnehmer·innen auf die Teller kommt!

Stück für Stück zu einem besseren Leben. Immer wieder zeigte sich, dass es die (vermeintlich) kleinen Schritte und das behutsame Hinterfragen gewohnter Praktiken sind, die Leben nachhaltig verändern können. In vielen Momenten wurde spürbar, wie tief das kulturelle Erbe und die Traditionen in den Menschen verwurzelt sind – und welch große Stärke, welch Geborgenheit und Gemeinschaft daraus erwachsen. Zugleich braucht es Raum, diese vertrauten Wege zu überdenken und neu zu gestalten, wenn sie einem selbstbestimmten und besseren Leben im Weg stehen. Besonders für Frauen im ländlichen Uganda ist das ein mutiger und bedeutsamer Prozess.

Meine absolute Hochachtung gilt Basaliza und ihrem Team – für ihre Arbeit und ihre liebevolle Art, Menschen zu ermutigen und Wege aus der Armut möglich zu machen!